„Gott schaute in die Tora und schuf die Welt.“ Zu Elazar Benyoëtz‘ neuem Buch „Scheinhellig“
Rezension von: Elazar Benyoëtz, Scheinhellig. Variationen über ein verlorenes Thema. Braumüller Litertuarverlag, EUR 24,90
„La forza d'un bel viso a che mi sprona?“
Michelangelo Buonarroti: Rime 279
„Das Bedürfnis nach Konsistenz, nach Stimmigkeit, ist insgeheim nach einer heilen Welt. Ohne es kann Vernunft nicht rückhaltlos aufklären: über die Welt wie über sich selbst.“
Christoph Türcke: Kassensturz. Zur Lage der Theologie
In Zvi Kolitz‘ (1912-2002) Erzählung Jossel Rackower spricht zu Gott (1946) formuliert der imaginäre Titelheld sein folgenreiches Bekenntnis: „Die Thora noch mehr lieben als Gott“. Es geht bei Kolitz um die Frage der Möglichkeit eines Glaubens nach Auschwitz. Die Antwort ist dann doch älter: Bereits Heinrich Heine erkennt in der Schrift das „portative Vaterland“ der Juden. Hier reiht sich auch Elazar Benyoëtz ein, wenn er aus dem Midrasch Genesis Rabba zitiert: „Gott schaute in die Tora und schuf die Welt.“ (S. 37) - Oder, wenn er konkludiert: „Ohne Tora gäbe es kein Judentum, ohne Psalmen könnten die Juden die Tora aber nicht so weit durch die Zeiten tragen.“ (S. 76) Für ihn ist dieser Horizont erweitert um seinen jüdische-deutschen Talmud, die jüdische Literatur deutscher Sprache.
Der Geist der Utopie glüht noch. Elazar Benyoëtz in seinem Briefwechsel
Ähnlichkeit und Verwandlung. Zu Swetlana Gerners neuer Serie MISSION INTEGRATION
Konzeptkünstlerin Swetlana Gerner hat eine neue Serie beendet: MISSION INTEGRATION heißt sie. Gezeigt wird sie erstmals auf einer Vernissage in der Galerie am Güterbahnhof in Mainz, Mombacher Straße 2 am 12. November um 19 Uhr. Die offizielle Ankündigung findet sich hier online.
Sie zeigt uns atemberaubende Farb-Welten und Gestalten, die im Begriff sind, sich aufzulösen und sich zu zufälligen, rätselhaften Konstellationen wieder zu ordnen.
Nachlaßakte
Jahr um Jahr,
Monat für Monat,
verzeichneten seine Kontoumsätze
den Posten:
Hofapotheke Wilhelm Alzheimer,
200,- Euro.
Denkbild für eine Welt voller Bilder,
aus denen das Leben abfließt,
unaufhaltsam und unwiederbringlich.
Eine vergessene Zone der Intensität
Wortfest. Ein Schneeball für Peter Horst Neumann
Foto: Contino
Das Sprach-Exil um uns herum wird sich ausbreiten, und jeder, der aus innerer Notwendigkeit der sensibelsten Sprachzeichengebung zugetan bleibt, lebt wohl in seinem je eigenen Finnland.
Peter Horst Neumann: "An Staubkörnern aufgespannte Drachen." Über den Dichter Manfred Peter Hein
Peter Horst Neumann ist am vergangenen Montag gestorben. Ich habe heute von seiner Familie die Todesanzeige erhalten.
Gert Mattenklott kommentiert Walter Benjamin
Walter Benjamin (Das Leben der Studenten):
„Nur die eingestandene Sehnsucht nach der schönen Kindheit und würdigen Jugend ist die Bedingung des Schaffens“.
Gert Mattenklott:
„Dass Erfahrung zur Lehre verpflichtet – welche Erfahrung denn aber teilen die heute Lebenden und ist nicht die tiefste Erfahrung die einer nicht mehr mitteilbaren Einsamkeit. (…) Kindheit in dem hier gemeinten Sinn bedeutet in erster Linie die Vergewisserung einer verlorenen Energie von Vorstellungskraft und Sprachvermögen ohne die Engführungen ihrer bürgerlichen Einpassung.“
(Walter Benjamin und Theodor W. Adorno über George. - In: Wissenschaftler im George-Kreis, hrsg. v. Bernhard Böschenstein u.a., de Gruyter 2005, S. 277-290, hier S. 282, S. 285f.)
Todesanzeige
קדיש
Ich habe den Tod meines Vaters anzuzeigen: Er ist am vergangenen Freitag gegen 11 Uhr an den Folgen einer langjährigen Demenz-Erkrankung gestorben.
Eberhard Cl. Grubitz,
lic. iur. , Redakteur
14.4.1931 – 5.6.2009
Christoph Grubitz
„nicht der Abschied
schmerzt, sondern
die Verschiedenheit, die
jeder jedem
bestätigt“
Elazar Benyoëtz
Korrekturbogen
"Es gibt nichts Spannenderes als Menschen beim Denken zuzuschauen."Eric Achermann: Die schriftliche Hausarbeit
Eric, den ich seinerzeit, 1989, in der Fribourger Gastvorlesung bei Wolfgang Pross über Herder kennenlernte, der mir den Punk nahebrachte...


