Peter Horst Neumann: Ein Lehrer der Liebe zum Gedicht


 

„Unter uns aber ist das reden, nur dass geredet werde, ausgeschlossen – finden wir uns doch seit geraumer zeit auf dem tröstenden gipfeln innerer geselligkeit.“

Stefan George, brieflich, Bingen jänner 1900 in: Briefe, Bildnisse [von Stefan George]; Berlin, Verlag Die Runde ohne Jahr

 

 

Peter Horst Neumann war Professor und ist Dichter. Dichter ist er von Haus aus, auch heute als Direktor der Abteilung Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Und er war mein erster Professor, der mir an meiner zweiten Universität, Erlangen, wichtig wurde.

Anfang an den Enden der Humanität
Studiert habe ich bei ihm in den Jahren, ihn kennengelernt aber schon durch Vermittlung Paul Stöckleins 1984, der Neumann in den 1960er Jahren schätzen gelernt und mir noch vor meinem Abitur zu einer Beratung mit Neumann über mein Studium geraten hatte. Also verabredete ich mich damals mit Neumann in seiner Sprechstunde und fühlte sogleich herzlich angenommen.

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Leonid Balaklav: The Face of Light

Leonid Balaklav

1991, auf einer Tagung in Osnabrück, machte mir Manfred Winkler, Lyriker, Bildhauer und Celan-Übersetzer, ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen konnte:

“Ich verbringe gelegentlich einige Wochen im Negev, in Mizpe Ramon. Da gibt es ein Zentrum für Schöpferische Künste. Wenn du möchtest, kannst du dort einige Monate an deiner Doktor-Arbeit schreiben.” Elazar hatte mitbekommen, dass meine private Situation für mich belastend war. Und da hat er sein Netzwerk angezapft.

Mit dem Überseekoffer nach Mizpe Ramon

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Ulrich Sonnemann: Die verwaltete Welt, beim Wort genommen

 

"Zukunft ist von außen wiederkehrende Erinnerung; daher hat die Gedächstlosigkeit keine."

Ulrich Sonnemann 

1988 erhielt Elazar Benyoëtz den Chamisso-Preis in München. Da lernte ich ihn kennen. Wir hatten erst gerade einen Briefwechsel begonnen.

Abends nach einer Lesung fand ich mich an einem Tisch mit ihm und dem Philosophen Ulrich Sonnemann. Sie waren über 20 Jahre befreundet. Begonnen hatte die Freundschaft in München. Ich wußte das damals nicht, merkte aber, dass das Wiedersehen Elazar wichtiger war als anderes.

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Paul Stöcklein: Philologie im Kaffeehaus

Paul Stöcklein war mein erster Mentor in akademischen Dingen und, als Essayist, der bei den Dichtern der Weimarer Republik gelernt hatte, auch in Dingen des Schreibens. Der Frankfurter Emeritus verbrachte seinen Ruhestand in Bamberg und beriet mich vor meinem Abitur zunächst, als es um mein Studium ging.

Man traf sich regelmäßig in einem „Kaffeehaus“, wie er das in einer Anhänglichkeit zur alten Wiener Literaturszene nannte. „Schnorrers Oase“ nannte er in seinem Beitrag zur Festschrift seines Freunds Friedrich Torberg (1978) diese für ihn lebenswichtige kulturelle Einrichtung. Lebenswichtig war,

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Emmanuel Lévinas: Ich, in Beziehung


Erinnerung
täuscht Gegenwart
des Gedächtnisses vor

Erinnerungen halten alles ein,
was man sich je versprochen hat

Erinnerung –
das sich hier ansammelnde
Jenseits

Erinnerung
macht vergessen

Elazar Benyoëtz: Einsätze

 

Emmanuel Lévinas lernte ich als sein Student in Fribourg kennen. Er las dort, auf Einladung der dortigen Communauté juive, als Emeritus einige Semester lang über La pensée juive après Kant. Alle 14 Tage reiste er mit dem TGV aus Paris an.

Er war 82 Jahre alt. Ich war einer von vielleicht fünf Studentinnen und Studenten in seiner Vorlesung. Sie war nicht das, was man in Deutschland mit einem häßlichen Wort „prüfungsrelevant" nennt. Ich beschäftigte mich damals mit Judaica, wenn auch mehr von der Literatur und Geschichte her. Als Student der Philosophie hatte ich wenig Berührungen zur Phänomenologie. Das „zurück zu den Sachen“ boten mir die Literatur und ein Studium in der französischen Schweiz, auch bei Lévinas.

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Dan Tsalka: Der Erzähler und die Bauformen der Erbaulichkeit

 

 

1991/92 lebte ich im Zusammenhang mit meiner Dissertation einige Monate in Israel. Ich lernte bald einige seiner Freunde, die meinen Besuch erwarten. Darunter war auch der Romancier Dan Tsalka, der 1936 in Warschau geboren wurde und 2005 in Tel Aviv starb. Dan zeigte er sich herzlich-neugierig auf mich, das Französische konnte als Brücke dienen. Während seiner philologischen Studien hatte er in Frankreich den Nachlaß Stendhals erforscht.

Stundenlang unterhielten wir uns dann im Oktober 1991 auf seinem Balkon in Tel Aviv. Ich ließ mir von seinem Werk erzählen. Sein Roman “Tausend Herzen” (“Elaf levavot”), das den Staat Israel in Vorgeschichten von Einwanderungen schildert, war gerade mit dem Hayetzira-Preis aufgezeichnet worden. Eine deutsche Ausgabe bei Suhrkamp sei ihm Gespräch gewesen. Das habe sich leider zerschlagen. (Sie folgte erst 2002 bei der Deutschen Verlags-Anstalt.)

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Hans Wollschläger: Freundschaften über den Zeiten

 

Viele Talente, wenig Erfolg, so könnte man den Eindruck zusammen fassen, der sich aus den vielen Nachrufen ergibt, die zum Tod Hans Wollschlägers (19. Mai 2007) erschienen. Allerdings: das Gefühl eines Verlusts ist da, das zeigen diese Nachrufe durchaus. Und: Jeder Nachrufer brachte andere Gründe vor, für die man Wollschläger zu schätzen habe. Das liegt an der oft zitierten Ambition Wollschlägers, der Spezialisierung zu entgehen und die altmodische Form des universell gebildeten Autors zu leben.

In einer Zeit, wo man in Zielgruppen denkt und schreibt, findet man dann auf vielen einzelnen Gebieten sicher noch wenige Menschen, mit denen man sich etwas zu sagen hat. Man erreicht aber kein Publikum. Mittlerweile wird sein Nachlaß zu einem Objekt der Spekulation. Er wurde dem Literatur-Archiv Marbach bereits für eine Million Euro angeboten

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Elazar Benyoëtz: Das Gedicht, ein verbindlicher Klang


 

I

Le poème – cette hésitation prolongée entre le son et le sens.
Das Gedicht – dieses verlängerte Zögern zwischen dem Laut und dem Sinn
Paul Valéry: Rhumbs (Windstriche)

Anfang 1987 war ich, 21jährig, aus der Bundesrepublik in die französische Schweiz gezogen, um in Fribourg meine Studien fortzusetzen. An einem Frühlingstag streunte ich durch die Antiquariate der Berner Arkaden und wurde nicht fündig. Ich suchte den Weg zum Bahnhof, um wieder über den „Rööschtigraben“, die Sprachgrenze zwischen der deutschen Schweiz und der Suisse Romande, zurückzufahren. Kurz vor dem Bahnhof blieb ich noch im Ramsch einer Buchhandlung hängen und stolperte über einen Namen: Elazar Benyoëtz?! Ein hebräischer Name – und dann deutsche Aphorismen? Reflexartig dachte ich, es müsse sich wohl um eine Übersetzung handeln.

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„Als ich dich kennenlernte,

… warst du berühmt.“ – So lautet das neue Solo-Programm der Kölner Schauspielerin, Sängerin und Karnevalspräsidentin Isabel Trimborn.

Isabels Solo

Die Künstlerin verriet der Wunderblock-Redaktion am Telefon: „Es trauen sich nur noch Schwule in mein Schlafzimmer, seitdem ich dieses Plakat dort hängen habe“.

Zu sehen ist ihr Programm am 11. Oktober 2007 um 20:00 Uhr bei Comedia Köln Löwengasse 7 – 9.

Eintrittspreise: 16,-/12,50 + Vorverkaufsgebühr

Kartenvorverkauf täglich 15 – 19 Uhr (außer sonntags und feiertags)

Tel. Kartenreservierung 0221 – Online kaufen bei www.offticket.de

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Vertrauliches

Das Verhältnis des Menschen zu sich und den anderen ist ein ergiebiges Thema in der französischen Literatur. Wir finden hier zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine welthaltige Spannbreite von Haltungen.

Sie reicht von der kritischen Empathie mit der Konversation in Salons bei Proust bis hin zur Diskreditierung des Vorscheins von Herrschaftsfreiheit wie in Flauberts Éducation sentimentale. Weit entfernt ist davon die Versöhnung mit der Konversation in Fontanes Stechlin, auch der Kult um die Innerlichkeit, der den Begriff der exklusiven deutschen Männer-Freundschaften begleitet.

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