Eine ziemlich fleckige Kopie

Zwischen zwei Schichten ging ich neulich ins Weite: nämlich über das erfreulich unfreundliche Ernst-Jünger-Portrait Bruce Chatwins auf Henry de Montherlant. Und Chatwin hätte ein Aphoristiker sein können. Er hat ja Moralistisch-Tacitistisches ohne Ende zu bieten, soweit kann ihn also der deutsche Mann also kaum schrecken, über den Heiner Müller sagte, er habe erst den Krieg, dann die Frauen kennen gelernt. Chatwin kannte die Männer wie die Frauen, wie also Jünger die Männer nicht kannte, aber Montherlant.

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Ohne Ruhe

"Die überzeugendsten Analytiker der Ruhelosigkeit waren oft Männer, die aus dem einen oder anderen Grund in ihrer Bewegungsfreiheit gehindert waren: Pascal durch Magenleiden und Migränen, Baudelaire durch Drogen, der heilige Johannes vom Kreuz durch die Gitter seiner Zelle. Es gibt französische Kritiker, die behaupten, daß Proust, der Eremit in seinem mit Kork ausgeschlagenen Zimmer, der größte der literarischen Reisenden war."

Bruce Chatwin: Traumpfade. Hanser 1990, S. 204

Hans Magnus Enzensberger schreibt über Bruce Chatwin (Süddeutsche Zeitung 23.3.1991):

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Ohne Stimmung

Unsere Empfindungen, unsere Gefühle bergen für uns nicht länger ein Versprechen: sie überleben neben uns, prunkvoll und nutzlos wie Haustiere. (...) Wir sind die ersten Menschen, die nicht mehr gestimmt sind, die ersten Menschen, die nicht mehr gestimmt sind, die ersten Menschen, die schlechthin unmusikalisch sind: un-gestimmt, das heißt ohne Beruf. (...) Der menschlichen Seele ist die Musik abhanden gekommen - die Musik, die in der Seele die schicksalhafte Unzugänglichkeit des Ursprungs anzeigt.

(Giorgio Agamben: Idee der Musik, in: Idee der Prosa. Bibliothek Suhrkamp 2003, S. 85f.)

 

Elazar Benyoëtz kommentiert diesen Fund mir gegenüber brieflich fast ungläubig: „Und wenn das am Ende ein Agambenzitat ist, dann weist es Agamben als dem höheren Rang zugehörig aus, allerdings auch Gefahr laufend, als edeldeutscher ‚Subtilitätenkrämer’ zu gelten.“

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Le Città invisibili

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Salman Rushdie on Italo Calvino and Realism in the Novel

"One of the things Calvino’s writing showed me is that there is a mistake about what we call realism in the novel. That is to say, most people who write about realism in the novel talk as if realism were a set of rules. As if naturalistic conventions had to be obeyed, and as long as you kept to those rules what you were writing was something called realism.
 
It seems to me that those conventions, the tools you use, have more or less nothing to do with whether your work is realistic or not, and this is what Calvino’s writing shows us.

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Zum 6. August. Wollschläger erinnert sich an Adorno

Heute, am 6. August jährt sich der Todestag Theodor W. Adornos. Geburts- und Todestage gehören zwar einer anderen Geltungsordnung als der der Kunst und des geistigen Lebens. Und genau genommen gehen sie auch nur die natürlichen Personen und ihre geistigen Erben etwas an. Nun ist Adorno ein Zeitzeuge, das heißt die persönliche und die Allgemeine Geschichte sind unauflöslich miteinander verwoben. Und ich teile hier Erinnerungen meines Lehrers Hans Wollschlägers mit, der als Musiker und Schriftsteller Schüler Adornos war, und vor einem Jahr gestorben ist.

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