Gedankenübertragung

„Jede wirkliche Beziehung hat diese Kraft, gewisse Gruppen von Gedanken des Anderen so zu regieren – oder vielleicht existieren diese Gedanken nur durch diese Beziehung, jedenfalls ruft sie sie hervor, sie schafft das geistige Klima, in dem sie existieren können. So besitzt der Eine in dem Anderen Ländereien, Landschaften, Gärten, Abhänge, deren Leben nur die Strahlen dieses einzigen Sternes speisen und tränken, wie auch sie dieses Leben erweckt haben.“

Hugo von Hofmannsthal an Helene von Nostitz, 2. April 1907

In den Schnee geschrieben

Peter Horst Neumann:

Lesen im Winter

- 1 -

Über die weiße Seite

der Schneeblick

des Schriftgelehrten.

 

Darunter der Text.

 

- 2 - 

Vertrau dem Schatten,

er beweist das Licht.

 

Und unsere Namen

schreibe in den Schnee.

 

Die Inschrift

ist das Gedächtnis.

Transit-Insel des wilden Denkens: West-Berlin 1968-1989

Die Dezember-Ausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte (Beck-Verlag) trägt unter dem Titel „Die Insel West-Berlin“, 1968-1989 elagant geschriebene und geschickt komponierte Erinnerungen zusammen.
 
Es beginnt mit einem sentimentalisch-verspielten Feuerwerk von Erinnerungs-Fragmenten Gert Mattenklotts, "Komm ins offene, Freund! Transit ins wilde Denken".
 
 
 
Mattenklotts These ist, in der normalen Berliner Unbescheidenheit, dass das „wilde Denken“ des Poststrukturalismus einzig in West-Berlin ausgelebt werden konnte:
"Hätte in West-Berlin jemand die Begriffe Verstetigung und Nachhaltigkeit auch nur denken können? Kein Wunder, daß die Parolen 'wilden Denkens' ihr frühestes Echo in diesem Milieu zwischen Laboratorium und Hexenküche fanden."

Weiter ...

Flaschenpost

"Stille Wirkung auf Ähnlichgesinnte ist fast das Einzige, was mir noch wichtig ist und mich freut - wer weiß, wie lange sie noch möglich ist."

Max Kommerell an seinen Verleger Vittorio Klostermann, September 1933

Max Kommerell
Der Gelehrte

Tag. Das Fenster. Im Quadrat
Mir genug des Weltgesichtes.
Hohe Blumen, schlanke Tiere,
Bild der Wolke, Gang des Lichtes:
Was da in den Rahmen trat,
Wird geheim und innerlich,
Und ich reinige und ziere
Seinen Aufenthalt: mein Ich.
Nacht. Die Lampe. Wo ihr gelber
Lichtkreis schwebt auf dem Papiere,
Reden mich die Lettern an:
Tote, die ihr Schweigen brechen.
Meine Lippen ahmen ihre
Sprache leise nach. So kann,
Ach wie bald gestorben, selber
Mit den Lebenden ich sprechen.

Nietzsche in der ästhetischen Anthropologie von Friederike Felicitas Günther

Rezension: Friederike Felicitas Günther: Rhythmus beim frühen Nietzsche. Reihe: Monographien und Texte zur Nietzsche-Forschung 55. De Gruyter 2008. Leinen, 58,- €

"Die gesellschaftliche Aufsicht über das Denken herrscht über die gesprochenen Sätze strenger als über die Sprache der Körper. (…). Wo expressis verbis argumentiert wird, appelliert die aufgeklärte Verständigkeit an die Konventionen, während Mimik und Gestik – gewissermaßen populistisch subversiv gegen die diskursive Logik – die verbalsprachliche Rede sabotieren. Ergriffen und furios bewegt von der geschichtlichen Möglichkeit, redet die Avantgarde oft in der Form ekstatisch und leidenschaftlich in der Sprache der Körper, aber illusionslos und resigniert dem literarischen Wortsinn nach.“
 
Gert Mattenklott: Melancholie in der Dramatik des Sturm und Drang (Studien zur allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft. Band 1, Metzler 1968, hier erweiterte 2. Aufl., Athenäum 1985)
 
Hier hat ein Thema seine Autorin gefunden: Das Thema ist der Rhythmus als Widerstand gegen den Lauf der Zeit bei Nietzsche; die Autorin Friederike Felicitas Günther. Und ihr Buch mit dem schlichten Titel „Rhythmus beim frühen Nietzsche“ ist elegant in der Ausstattung, in Form und Gehalt. Mit seinen schlanken 200 Seiten wirkt es schon wie ein Sammlerstück.
 
Eine anthropologische Technik
 
Schon der erste Satz enthält die These:

„Im Frühwerk Nietzsches kann das Phänomen Rhythmus als eine anthropologische Technik verstanden werden, ästhetischen Strukturen unter den Bedingungen der Zeitlichkeit Dauer zu verschaffen.“ (S. 2)

Weiter ...

Motten und Erdferkel. Ein mail-Wechsel zur Informationsgesellschaft

"Man muß sich von allem lösen, um sich allem anzunähern."

Cesare Pavese: Das Handwerk des Lebens 

Vor einigen Wochen schickte mir Wunderblock-Gastautorin Shakespeare diesen link: http://www.barackobama.com/issues/technology.

 

Weiter ...