Wortfest. Ein Schneeball für Peter Horst Neumann

Foto: Contino

Das Sprach-Exil um uns herum wird sich ausbreiten, und jeder, der aus innerer Notwendigkeit der sensibelsten Sprachzeichengebung zugetan bleibt, lebt wohl in seinem je eigenen Finnland.

Peter Horst Neumann: "An Staubkörnern aufgespannte Drachen." Über den Dichter Manfred Peter Hein

Peter Horst Neumann ist am vergangenen Montag gestorben. Ich habe heute von seiner Familie die Todesanzeige erhalten.

Wir haben einander in den vergangenen Jahren, die seine letzten sein sollten, durch unsere Veröffentlichungen wieder neu kennengelernt. Durch das beziehungslose Getöse hindurch, das man heute „Informationsgesellschaft“ nennt, ist es ein stiller Kontakt mit wenigen Chiffren - und wortfesten Schneebällen. "Wortfest" war sein Lieblingswort, wenn er über Gedichte improvisierte, und "wortfest" sollten nicht nur die Schriften seiner Schüler, sondern auch die Formen des Umgangs sein.

 

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Gert Mattenklott kommentiert Walter Benjamin

Walter Benjamin (Das Leben der Studenten):

„Nur die eingestandene Sehnsucht nach der schönen Kindheit und würdigen Jugend ist die Bedingung des Schaffens“.

Gert Mattenklott:

„Dass Erfahrung zur Lehre verpflichtet – welche Erfahrung denn aber teilen die heute Lebenden und ist nicht die tiefste Erfahrung die einer nicht mehr mitteilbaren Einsamkeit. (…) Kindheit in dem hier gemeinten Sinn bedeutet in erster Linie die Vergewisserung einer verlorenen Energie von Vorstellungskraft und Sprachvermögen ohne die Engführungen ihrer bürgerlichen Einpassung.“

(Walter Benjamin und Theodor W. Adorno über George. - In: Wissenschaftler im George-Kreis, hrsg. v. Bernhard Böschenstein u.a., de Gruyter 2005, S. 277-290, hier S. 282, S. 285f.)