Der Geist der Utopie glüht noch. Elazar Benyoëtz in seinem Briefwechsel

 
 
Man kennt ihn als Nachfahren der großen Aphoristiker von Kohelet über Lichtenberg zu Karl Kraus immer besser. Der Briefschreiber Elazar Benyoëtz allerdings ist noch zu entdecken. Möglichkeit dazu bietet jetzt das im Brockmeyer-Verlag erscheinende Buch Vielzeitig. Briefe 1958-2007. Die Adressaten und Absender der hier ausgewählten 200 Briefe aus 49 Jahren sind zwischen 1872 (Margarethe Susman) und 1975 (René Dausner) geboren. Besonders dicht ist hier die Vor- und Frühgeschichte von Elazar Benyoëtz‘ Aufbauarbeit am Archiv Bibliographia Judaica in Westberlin (1964-1968) dokumentiert: Auf die zehn Jahre 1958 bis 1968 entfallen 79 Briefe.
 

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Ähnlichkeit und Verwandlung. Zu Swetlana Gerners neuer Serie MISSION INTEGRATION


 

Konzeptkünstlerin Swetlana Gerner hat eine neue Serie beendet: MISSION INTEGRATION heißt sie. Gezeigt wird sie erstmals auf einer Vernissage in der Galerie am Güterbahnhof in Mainz, Mombacher Straße 2 am 12. November um 19 Uhr. Die offizielle Ankündigung findet sich hier online.

Sie zeigt uns atemberaubende Farb-Welten und Gestalten, die im Begriff sind, sich aufzulösen und sich zu zufälligen, rätselhaften Konstellationen wieder zu ordnen. 

 

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Nachlaßakte

Jahr um Jahr,

Monat für Monat,

verzeichneten seine Kontoumsätze

den Posten:

Hofapotheke Wilhelm Alzheimer,

200,- Euro.

 

Denkbild für eine Welt voller Bilder,

aus denen das Leben abfließt,

unaufhaltsam und unwiederbringlich.

 

 

Vom Reizenden der Bilder. In Erinnerung an Gert Mattenklott (21.1.1942-3.10.2009)

 

Foto: Thilo Rückeis

Der Komparatist Gert Mattenklott war der geistige Erbe Walter Benjamins und Peter Szondis; er war das ohne Überzeugung, aber von Haus aus.

Er verstand sein extensives Schreiben über Gott und die Welt als Tagebuch, als fortgesetzte Verschriftlichung seines monologue intérieur, als gerechte Anforderung an einen Intellektuellen, dem sein extensiver Umgang mit den Künsten die Möglichkeit bietet, seine Leidenschaften besser zu verstehen. Fünf Stunden Schlaf, sagte er 1997 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, genügen.
 
Im Wunsch, ein anderer zu sein, als man ist, wenigstens mehr, als man ist, kommen die archaischen Impulse des Schreibens und Reisens in einer Körperwahrnehmung zusammen – und in Mattenklotts bevorzugter Form: der des Portraits, der geistigen Physiognomie. Essentiell war ihm das Schreiben in Zügen, vor allem in den Jahren 1972 bis 1994, als er von Berlin nach Marburg pendelte, im legendären Leningrad-Express, dem er im Merkur eine liebevolle Reflexion widmet.
 

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