Vertrauliches

Das Verhältnis des Menschen zu sich und den anderen ist ein ergiebiges Thema in der französischen Literatur. Wir finden hier zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine welthaltige Spannbreite von Haltungen.

Sie reicht von der kritischen Empathie mit der Konversation in Salons bei Proust bis hin zur Diskreditierung des Vorscheins von Herrschaftsfreiheit wie in Flauberts Éducation sentimentale. Weit entfernt ist davon die Versöhnung mit der Konversation in Fontanes Stechlin, auch der Kult um die Innerlichkeit, der den Begriff der exklusiven deutschen Männer-Freundschaften begleitet.

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Form als Protest. Paul Valéry und die Konversation in der Oberschicht

Als Paul Valéry 1925 den Platz Anatole France in der Académie française einnahm, brachte er bei seiner Inauguralrede das rhetorische Kunststück fertig, ganz konform mit den Regeln dieses pietätvollen Rituals, seinen Vorgänger zu vernichten, ohne auch nur ein schlechtes Wort über ihn zu sagen.

Im Gegenteil: Valéry hat sich standesgemäß benommen. Er praktiziert eine vornehme Haltung, die Freiräume und Pietät läßt. Und doch macht er keine Abstriche bei seinen Maßstäben.

Er spricht von "meinem berühmten Vorgänger" oder vom "künftigen Autor des Jean Sevien". An Stelle seines Vorgängers nennt Valéry immer wieder Racine. Die Linie ist deutlich: Hier soll Racine gegen einen mißratenen und seinerzeit maßlos überschätzten Bewunderer verteidigt werden.

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„Der Geist verabscheut die Gruppenbildung“. Paul Valérys Politique de l'esprit

schreibt Paul Valéry in seinem Vortrag „Die Politik des Geistes“ : » L’esprit abhorre les groupements « (La politique de l’esprit. Notre souverain bien).

Ich zitiere es hier deutsch nach der Ausgabe, die mir mein Freund Elazar Benyoëtz zu meinem 40. Geburtstag vor zwei Jahren geschenkt hat. Er konnte es sich nicht verkneifen, mir diesen Satz, augenzwinkernd und dezent mit Bleistift, in diese Ausgabe zu schreiben.

Mit dem Zusatz: „Für Dich, lieber Junge, der du ohne Gruppe gebildet bist.“ Was macht diese Ausgabe und die Widmung zu für mich zu einem wertvollen Geschenk?

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