Die Ordnung der Dinge
Reisewarnungen für die EU
Die Lust am Zusammensetzen von Wörtern
„Manche deutsche Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann. Man betrachte die folgenden Beispiele:
‚Freundschaftsbezeigungen’,
‚Dilettantenaufdringlichkeiten’,
‚Stadtverordnetenversammlungen’.
Dies sind keine Wörter, es sind Prozessionen sämtlicher Buchstaben des Alphabets. Und sie kommen nicht etwa selten vor. Wo man auch immer eine deutsche Zeitung aufschlägt, kann man sie majestätisch über die Seite marschieren sehen - und wer die nötige Phantasie besitzt, sieht auch die Fahnen und hört die Musik. Sie geben selbst dem sanftesten Thema etwas schauererregend Martialisches.“
(Mark Twain: Die scheußliche deutsche Sprache 1880).
Mark Twain hat in seiner köstlichen Satire einen Respekt vor religiösen und militärischen Macht-Gesten erkannt, der sich hinter der Neigung der Deutschen zu Komposita verbirgt. Der Linguist Jan Bruners muß heute, nach über 200 Jahren, schon übernatürliche Erklärungen für eine Besonderheit der Wortbildung im Deutschen heranziehen:
Früher haben die gebildeten Stände des deutschen Sprachbezirks ihren Dichtern göttliche Eingebungen zugesprochen, jetzt ist es also schon die Regel beim Otto-Normal-Sprach-Verbraucher. Dass einige verhaltensgestört, unhöflich oder mit ihrer eigenen Sprache überfordert sind, kommt kaum einem in den Sinn.
