Vom Ziel der Sprache. Eine Erinnerung Beda Allemanns an Peter Szondi und Paul Celan

„Das Ziel der Sprache ist, immer nach Celan, das Andere – oder auch der Andere: die Stelle in der ‚Meridian‘-Rede ist bewußt ambivalent gehalten, was das grammatische Geschlecht dieses Anderen betrifft. Man kann es sich auslegen als jenes imaginäre Gegenüber Mandelstams, an das der Dichter sich wendet, verborgen hinter dem in Celans Gedichten so häufigen Personalpronomen Du. Aber schon Roman Jakobson hat darauf hingewiesen, wie auswechselbar solche Pronomina sind. Er nennt sie Shifters, Versatzstücke.“

Beda Allemann: Paul Celans Sprachgebrauch, in: Amy D. Colin (Hrsg.): Argumentum e Silentio. International Paul Celan Symposium, de Gruyter 1987, S. 3-15, hier S. 10

Spätsommer 1989. Ich war junger Doktorand bei Harald Fricke. Er hatte mir angeboten, an einem Samstag in seinem Auto mit ihm und seinem Assistenten Rüdiger Zymner zu einem Dürrenmatt-Symposium nach Neuchâtel zu kommen, das sein Freund Jürgen Söring moderierte. Ein kleiner, großzügiger postmoderner Universitätsbau am Neuenburger See, ein sonniger Tag. 

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Zum 6. August. Wollschläger erinnert sich an Adorno

Heute, am 6. August jährt sich der Todestag Theodor W. Adornos. Geburts- und Todestage gehören zwar einer anderen Geltungsordnung als der der Kunst und des geistigen Lebens. Und genau genommen gehen sie auch nur die natürlichen Personen und ihre geistigen Erben etwas an. Nun ist Adorno ein Zeitzeuge, das heißt die persönliche und die Allgemeine Geschichte sind unauflöslich miteinander verwoben. Und ich teile hier Erinnerungen meines Lehrers Hans Wollschlägers mit, der als Musiker und Schriftsteller Schüler Adornos war, und vor einem Jahr gestorben ist.

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Weit von wo?

 
 
Nach 1933 erzählte man sich unter Emigranten in Paris folgende Anekdote: Ein Jude trägt sich mit der Absicht, nach Uruguay auszuwandern. Als seine Freunde darüber erstaunen, dass er so weit weg wolle, stellt er ihnen die Fragen: "Weit von wo?" Peter Szondi hat diese Anekdote in seiner Berliner Antrittsvorlesung aufgegriffen, um zu begründen, warum es von Walter Benjamin nach 1933 keine Städtebilder mehr gibt. Szondi interpretiert in der ihm eigenen lakonischen Art:

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Harald Fricke: Das Allgemeine und das Besondere

 

Ein Philosoph war nach langem Nachdenken zu der Überzeugung gekommen, die einzig legitime Form der Darstellung sei diejenige, die den Leser stets aufs Neue gegen die Illusion von Wahrheit, die der Text erwecken möchte, unempfindlich mache. […]

Ein anderer Philosoph gab ihm jedoch zu bedenken, daß eine solche Entscheidung widersprüchlich sei, da sie eine so hoffnungslos ernste Absicht des Autors erkennen lasse, daß dieser am Ende nicht anders könne, als sich von seinem Ausdruck zu distanzieren.

Giorgio Agamben: Idee des Rätsels

Lektüren sind oft Wegweiser, ebenso wie es Begegnungen mit Menschen sein können. In meinem ersten Semester, in Heidelberg, (1984/85) stieß ich auf Harald Frickes beim Beck-Verlag veröffentlichte Habilitationsschrift, auf die Poetik Norm und Abweichung. Das Buch traf auf meine Unzufriedenheit mit dem Stand des Umgangs mit Literatur in deutschen Seminaren. Nüchtern und leicht, vergnüglich und analytisch-urteilsfreudig wird hier vorgestellt, wie eminente Literatur die Grenzen der Erfahrung und des Denkbaren hinter sich lässt und das, was wir Wirklichkeit nennen, in einem kritischen Licht erscheinen lässt. Allein der Begriff der „Norm“ sprachlicher Wirklichkeit erscheint hier unter drei Aspekten: als statistischer Befund, als Institution und als Konsens.

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Satzgefüge. Portrait der Freundschaft zwischen Ulrich Sonnemann und Elazar Benyoëtz

"Das Gesetz will Ruhe; der Satz, weil er die Bewegung des Gedankens ist, gibt keine.“

Ulrich Sonnemann: Negative Anthropologie (1969)

Was hier folgt, begann 1967 an einem Münchner Stammtisch. Die Journalistin Ursula von Kardorff nam den jungen hebräischen Dichter Elazar Benyoëtz mit zum Kreis um den politischen Publizisten, Philosophen und Psychologen Ulrich Sonnemann (1912 – 93).

Kam Benyoëtz später auf Lesereisen nach Deutschland, pflegte er regelmäßig ein paar Tage halt zu machen in Gudensberg bei Kassel, wo Sonnemann als spät berufener Kasseler Professor mit seiner Frau Brigitte Sonnemann im Alter lebte. Dann lasen er und Benyoëtz einander aus Manuskripten vor. Gelegentlich sollen Einschlaflieder aus solchen Lesungen geworden sein.

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Elazar Benyoëtz: Le poème, un son obligatoire

Pour Renée et Immanuel Koppel

Le poème – cette hésitation prolongée entre le son et le sens.

Paul Valéry: Rhumbs

Au début de l’an 1987, j’ai déménagé de la RFA en Suisse, à Fribourg afin de poursuivre mes études de littératures comparées et de philosophie. J'avais 21 ans. Par une journée de printemps, j’errais parmi les bouquinistes, sous les arcades à Berne, mais je ne me décidais pour aucun livre et me dirigeai vers la gare. Juste avant la gare, je me retrouvai de nouveau, devant la vitrine d’une librairie – et tout à coup, mon regard fut attire par une notion et un nom:

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Sono i poeti che fondono ciò che resta: Giorgio Agamben

(Traduzione del mio articolo per wikipédia.de)

Giorgio Agamben è nato il 22 aprile a Roma. Il insegna come il professore della filosofia a European Graduate School a Saas fata in Svizzera e dal 2003 come il professore dell'estetica a facoltà di design e arti dell IUAV a Venezia.

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Le silence du mot: Giorgio Agamben

(Traduction de mon article pour wikipédia.de)

Giorgio Agamben (né le 22 avril à Rome) enseigne comme professeur de la philosophie à European Graduate School à Saas Fee en Suisse et depuis 2003 comme professeur de l'esthétique à Facoltà di le design e Arti della IUAV à Venise. De 1986-92, il était Directeur des programmes du Collège international la philosophie d'à Paris; depuis 1988 il remplissait les chaires de professeur procédées par associations aux universités de Macerata et depuis 1993 à Verona ainsi que depuis 1994 régulièrement des chaires de professeur invité aux États-Unis.

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Von ausbleibenden Dingen. Hans Mayer liest Walther Rathenau

AnSpruch:
Das Eigentliche im Menschen wie
in der Welt ist
ausstehend, wartend, steht
in der Furcht, vereitelt zu werden, steht
in der Hoffnung, zu gelingen.

Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung

 

Lion Feuchtwanger berichtet in einem Werkstattbericht, dass die Lebensgeschichte Walther Rathenaus den Anstoß zu seinem vordergründig historischen Roman Jud Süß gab.

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Entrückt wie Erinnerung. Der Erzähler Franz Hessel


„Die steinernen Wände, die seidenen Kleider, die Fetzen und Früchte der Märkte sind uns, während wir sie sehen, schon entrückt wie Erinnerung. Der Gang durch die Stadt ist ein Traumgleiten, als brauchten wir nicht unsere Glieder zu regen.“
Franz Hessel: Heimliches Berlin

 

Berliner Bildungsbürgerum der 1920er Jahre. Ein Professor der Philologie geht mit seiner Frau und einer gemeinsamen Freundin essen. Man lässt in einem Restaurant in der Neuen Wilhelmstraße halten.

„Als Eißner [der Professor] mit Genugtuung festgestellt hatte, dass der Kontakt zwischen den Frauen sich von selbst ergab, nahm er sein Notizbuch aus der Brusttasche, las und schrieb Zahlen.“ (S. 54)

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