Vom Reizenden der Bilder. In Erinnerung an Gert Mattenklott (21.1.1942-3.10.2009)

 

Foto: Thilo Rückeis

Der Komparatist Gert Mattenklott war der geistige Erbe Walter Benjamins und Peter Szondis; er war das ohne Überzeugung, aber von Haus aus.

Er verstand sein extensives Schreiben über Gott und die Welt als Tagebuch, als fortgesetzte Verschriftlichung seines monologue intérieur, als gerechte Anforderung an einen Intellektuellen, dem sein extensiver Umgang mit den Künsten die Möglichkeit bietet, seine Leidenschaften besser zu verstehen. Fünf Stunden Schlaf, sagte er 1997 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, genügen.
 
Im Wunsch, ein anderer zu sein, als man ist, wenigstens mehr, als man ist, kommen die archaischen Impulse des Schreibens und Reisens in einer Körperwahrnehmung zusammen – und in Mattenklotts bevorzugter Form: der des Portraits, der geistigen Physiognomie. Essentiell war ihm das Schreiben in Zügen, vor allem in den Jahren 1972 bis 1994, als er von Berlin nach Marburg pendelte, im legendären Leningrad-Express, dem er im Merkur eine liebevolle Reflexion widmet.
 

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Wortfest. Ein Schneeball für Peter Horst Neumann

Foto: Contino

Das Sprach-Exil um uns herum wird sich ausbreiten, und jeder, der aus innerer Notwendigkeit der sensibelsten Sprachzeichengebung zugetan bleibt, lebt wohl in seinem je eigenen Finnland.

Peter Horst Neumann: "An Staubkörnern aufgespannte Drachen." Über den Dichter Manfred Peter Hein

Peter Horst Neumann ist am vergangenen Montag gestorben. Ich habe heute von seiner Familie die Todesanzeige erhalten.

Wir haben einander in den vergangenen Jahren, die seine letzten sein sollten, durch unsere Veröffentlichungen wieder neu kennengelernt. Durch das beziehungslose Getöse hindurch, das man heute „Informationsgesellschaft“ nennt, ist es ein stiller Kontakt mit wenigen Chiffren - und wortfesten Schneebällen. "Wortfest" war sein Lieblingswort, wenn er über Gedichte improvisierte, und "wortfest" sollten nicht nur die Schriften seiner Schüler, sondern auch die Formen des Umgangs sein.

 

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Todesanzeige

קדיש

Ich habe den Tod meines Vaters anzuzeigen: Er ist am vergangenen Freitag gegen 11 Uhr an den Folgen einer langjährigen Demenz-Erkrankung gestorben.

 

Eberhard Cl. Grubitz,

 

lic. iur. , Redakteur

14.4.1931 – 5.6.2009

 Christoph Grubitz

 

„nicht der Abschied

schmerzt, sondern

die Verschiedenheit, die

jeder jedem

bestätigt“

Elazar Benyoëtz